
Rahmenschutzkonzept für die Kindertagespflege
Märchenturm - Marianne Lehmann
1. Potenzial- und Risikoanalyse
In meiner Kindertagespflege betreue ich maximal drei Kinder unter drei Jahren. Diese kleine Gruppengröße ermöglicht es mir, jedes Kind aufmerksam zu begleiten und Risiken frühzeitig zu erkennen. Kleine Kinder sind neugierig, bewegungsfreudig und gleichzeitig noch stark auf Schutz, Nähe und Orientierung angewiesen.
Die Innenräume sind bewusst ruhig gestaltet. Sie dienen dem Ankommen, dem ruhigen Spiel, dem Ausruhen und dem Wohlfühlen. Ein Teil der Räume ist mit Laminatboden ausgestattet, der sauber gehalten wird und frei von Stolperfallen ist. Die Spiel- und Ruheräume sind überwiegend mit weichen Teppichen ausgelegt. Diese bieten Wärme, Geborgenheit und zusätzliche Sicherheit beim Krabbeln, Laufen oder Sitzen.
Alle Fenster sind kindersicher gesichert. Möbel stehen stabil, scharfe Ecken und Kanten sind geschützt. Der Zugang zu Treppen ist zuverlässig verschlossen und für Kinder nicht zugänglich. Putzmittel, Reinigungsmittel, Medikamente oder andere gefährliche Stoffe befinden sich nicht im Betreuungsbereich und werden sicher außer Reichweite der Kinder aufbewahrt.
Drinnen findet überwiegend ruhiges Spiel statt. Für Rennen, Klettern und große Bewegungen gehen wir bewusst nach draußen. Wir verbringen viel Zeit in der Natur und auf dem Spielplatz direkt neben dem Haus. Dort haben die Kinder Platz, sich zu bewegen, ihren Körper kennenzulernen und ihre motorischen Fähigkeiten zu entwickeln.
Bei Wegen im Straßenverkehr bleiben die Kinder im Bollerwagen. So sind sie sicher, gut im Blick und geschützt. Ich wähle ruhige Wege und handle vorausschauend.
Besonders achtsam bin ich in Alltagssituationen wie Wickeln, An- und Ausziehen, Mahlzeiten, Schlaf- und Ruhephasen sowie Übergängen. Die Kinder werden grundsätzlich auf dem Boden gewickelt, um Stürze zu vermeiden.
Die Räumlichkeiten werden mindestens einmal jährlich überprüft. Wesentliche Veränderungen werden gemeldet. Zusätzlich überprüfe ich die Umgebung im Alltag regelmäßig und passe sie an den Entwicklungsstand der Kinder an.
2. Pädagogisches Leitbild
Kinder brauchen Geborgenheit, Ruhe und verlässliche Beziehungen. In meiner Kindertagespflege dürfen Kinder ankommen, ohne Druck, ohne Hektik und ohne Reizüberflutung. Der Alltag ist ruhig strukturiert und gibt Orientierung.
Ich arbeite bedürfnisorientiert. Das bedeutet, dass ich die Signale der Kinder wahrnehme und ernst nehme. Essen, Schlafen, Spielen und Nähe richten sich nach dem einzelnen Kind. Niemand muss mithalten oder funktionieren.
Durch die kleine Gruppengröße kann ich jedem Kind gerecht werden. Jedes Kind bekommt Nähe, wenn es sie möchte, und darf Abstand haben, wenn es diesen braucht. Mein Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Kinder sich sicher fühlen und einfach sie selbst sein dürfen.
3. Verhaltenskodex
Der Verhaltenskodex beschreibt die Haltung meiner Arbeit und gilt für alle anwesenden Personen.
Ich begegne den Kindern respektvoll, ruhig und wertschätzend. Es gibt keine körperliche oder seelische Gewalt, keinen Zwang und keine Bloßstellung. Gefühle werden ernst genommen.
Körperkontakt findet nur statt, wenn das Kind ihn möchte oder wenn er notwendig ist, zum Beispiel beim Anziehen, beim Wickeln oder zur Sicherheit. Kinder dürfen jederzeit zeigen, wenn sie keinen Körperkontakt möchten.
Geheimnisse zwischen Erwachsenen und Kindern gibt es nicht. Kinder sollen wissen, dass sie alles sagen dürfen.
Während der Betreuungszeit bin ich die feste Bezugsperson. Gelegentlich ist mein Ehemann anwesend. Er verfügt über ein Führungszeugnis und hält sich an denselben Verhaltenskodex. Meine eigene Tochter ist sechs Jahre alt und gehört zum familiären Umfeld. Weitere Personen sind grundsätzlich nicht anwesend, außer während der Eingewöhnung anderer Kinder mit ihren Eltern.
4. Partizipation
Auch sehr kleine Kinder haben eine Meinung, Vorlieben und Bedürfnisse. Partizipation bedeutet für mich, diese wahrzunehmen und ernst zu nehmen - auch dann, wenn Kinder sich noch nicht mit vielen Worten ausdrücken können.
Im Alltag zeigt sich Partizipation vor allem in kleinen Entscheidungen. Kinder dürfen innerhalb eines sicheren Rahmens mitbestimmen und erleben, dass ihre Signale zählen.
Zum Beispiel dürfen die Kinder:
entscheiden, womit sie spielen möchten
wählen, ob sie allein, mit mir oder mit anderen Kindern spielen möchten
beim Essen oder beim Spazierengehen ihr eigenes Tempo bestimmen
draußen mitentscheiden, welchen Weg wir gehen oder auf welchem Spielplatz wir bleiben
zeigen, wann sie Nähe möchten und wann sie lieber Abstand brauchen
Auch bei kreativen Angeboten wie Malen, Basteln oder Gestalten ist mir Partizipation besonders wichtig. Solche Angebote sind immer freiwillig. Kein Kind wird gezwungen mitzumachen, nur weil „etwas entstehen soll“ oder weil es Erwartungen von außen gibt.
Ich wähle Materialien und Ideen so aus, dass sie dem Alter und den Interessen der Kinder entsprechen. Ich versuche, die Kinder zu motivieren und neugierig zu machen - zum Beispiel durch Farben, Naturmaterialien oder einfache Techniken. Wenn ein Kind jedoch kein Interesse zeigt oder lieber etwas anderes tun möchte, wird das respektiert.
Es ist für mich wichtig, dass Kinder erleben:
Ich darf Nein sagen.
Ich werde nicht gedrängt.
Meine Interessen zählen.
Beim freien Spiel dürfen Kinder ihr Spiel selbst bestimmen. Ich beobachte, begleite und biete Hilfe an, greife aber nicht ständig lenkend ein. So können Kinder eigene Ideen entwickeln und Selbstvertrauen aufbauen.
Durch diese Form der Beteiligung erfahren die Kinder Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Vertrauen. Sie lernen, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören und sich ernst genommen zu fühlen - das ist für mich ein wichtiger Teil von Schutz und Geborgenheit.
5. Beschwerdeverfahren und Zusammenarbeit mit Eltern
Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern ist mir sehr wichtig. Eltern können sich jederzeit mit Fragen, Sorgen oder Kritik an mich wenden. Gespräche finden offen, ruhig und wertschätzend statt.
Während des Betreuungstages sende ich den Eltern bei Bedarf Fotos ihres Kindes, zum Beispiel wenn das morgendliche Ankommen schwer war oder wir unterwegs sind. So sehen die Eltern, dass ihr Kind angekommen ist und sich wohlfühlt. Die Fotos dienen ausschließlich der Information der Eltern
Zusätzlich teile ich Wochen- oder Monatsrückblicke auf Instagram, um transparent zu zeigen, was wir im Märchenturm erleben. Die Gesichter der Kinder sind dabei nicht sichtbar.
Auch Kinder äußern Beschwerden, oft nonverbal. Rückzug, Unruhe oder Weinen nehme ich ernst und gehe diesen Signalen nach. Wenn nötig, ziehe ich fachliche Beratung hinzu.
6. Sexualpädagogische Haltung
Bei Kindern unter drei Jahren geht es nicht um Sexualität, sondern um einen respektvollen Umgang mit dem eigenen Körper.
Das Wickeln ist für mich ein sehr persönlicher und sensibler Moment zwischen mir und dem Kind. Mir ist wichtig, dass sich das Kind dabei wohl, sicher und respektiert fühlt.
Während des Wickelns achte ich besonders darauf, dass das Kind entspannt ist. Das Kind darf gern ein Spielzeug in der Hand halten, wenn ihm das Sicherheit gibt. Ich spreche ruhig, freundlich und liebevoll mit dem Kind. Es gibt keinen strengen Ton und keine Hektik. Ich erkläre dem Kind in einfachen Worten, was ich gerade mache oder was als Nächstes kommt. So weiß das Kind, was passiert, und fühlt sich sicher.
Das Wickeln erfolgt immer in ruhiger Atmosphäre und mit ausreichend Zeit. Ich gehe auf die Signale des Kindes ein und passe mein Tempo an. Die Kinder werden grundsätzlich auf dem Boden gewickelt, sodass keine Sturzgefahr besteht.
Für Kinder, die sich dem dritten Lebensjahr nähern, biete ich gelegentlich an, das Töpfchen zu nutzen. Dies geschieht immer freiwillig. Wenn ein Kind das nicht möchte, wird es selbstverständlich respektiert. Es gibt keinen Druck und kein Muss.
Das Wickeln findet grundsätzlich nur zwischen mir und dem Kind statt. Andere Kinder oder Erwachsene sind dabei nicht beteiligt. Wenn möglich, erfolgt das Wickeln im Ruhezimmer in einer ruhigen Ecke, sodass das Kind ausreichend Privatsphäre hat. Sollte sich eine weitere erwachsene Person in den Räumen aufhalten, wird darauf geachtet, dass das Wickeln außer Sicht stattfindet.
Die Würde des Kindes steht jederzeit im Mittelpunkt. Das Wickeln soll kein schneller Handgriff sein, sondern ein ruhiger, verlässlicher Moment im Alltag.
7. Krisen- und Interventionsplan
Wenn mir Veränderungen im Verhalten eines Kindes auffallen oder ich mir Sorgen mache, beobachte ich aufmerksam und ruhig. Ich ziehe keine vorschnellen Schlüsse.
Mein Vorgehen:
sachliche Beobachtung und Dokumentation
fachliche Beratung einholen
weitere Schritte sorgfältig abstimmen
Bei akuter Gefahr für das Kind informiere ich sofort die zuständigen Stellen. Der Schutz des Kindes steht immer an erster Stelle.
8. Fortbildung und Qualitätssicherung
Kinderschutz ist ein fortlaufender Prozess. Ich nehme regelmäßig an Fortbildungen teil, z. B. Erste Hilfe am Kind und Schulungen zum Kinderschutz.
Ich reflektiere meine Arbeit regelmäßig und tausche mich mit Fachberatung aus. Das Schutzkonzept wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst, damit es im Alltag lebendig bleibt.
